Interview mit Tiefgang – Metoo!

Die (Ohn)macht der Vergangenheit

Es ist leise geworden um die Metoo-Debatte. Warum? Weil die Betroffenen nicht laut genug um Hilfe rufen? Das Milchzahneinhorn ist nicht ganz verloren gegangen und ab und zu werde ich nach wie vor zu dem Thema Häusliche Gewalt schreiben. Denn auch wenn es mir jetzt gut geht, gibt es da draussen so unsagbar viele Menschen die leiden…und sich nicht trauen um Hilfe zu rufen. 

Es ist fast 2 Jahre her, als mich das leise Klick meines Handys darauf aufmerksam machte, dass ich eine Mail bekommen habe. Mit der festen Überzeugung das mal wieder irgendeine doofe Werbung meinen Email Ordner zumüllt, habe ich einen flüchtigen Blick aufs Handy geworfen. Absender: Kathrin Halfwassen, Betreff: Interviewanfrage für das Emotionmagazin. Blitzartig griff ich nach dem Handy und öffnete die Mail:

“ Sehr geehrte Frau Clemens,

mein Name ist Kathrin Halfwassen, ich bin freie Journalistin und schreibe unter anderem für das EMOTION-Magazin. Die leitende Redakteurin der „Emotion“ hat mir Ihren Kontakt weitergeleitet mit dem Hinweis, dass Sie sich vor einiger Zeit in der Redaktion gemeldet hätten – und eventuell bereit wären, über Ihre persönliche Geschichte zu berichten und zu schildern, wie Sie es geschafft haben, sich nach Erfahrungen mit häuslicher Gewalt neu zu öffnen.

In der nächsten Ausgabe ist nun ein Dossier geplant, in dem Frauen über Tabuthemen berichten – es soll darum gehen, warum Offenheit uns (auch) hilft, als Frauen zusammen zu kommen und einander zu stärken. Aus diesem Grund wollte ich einmal nachfragen, ob Sie sich vorstellen könnten, mir in der nächsten Zeit ein Interview zu Ihren Erfahrungen zu geben? Da ich ahne, dass es nicht leicht ist, darüber zu sprechen, würde ich Sie natürlich lieber persönlich treffen als das Gespräch am Telefon zu führen – falls das für Sie in Ordnung ist…

Ich würde mich sehr freuen, wenn das klappen könnte. Falls ja, würde ich Ihre Zitate nach unserem Gespräch zu einer Art Protokoll zusammenfassen – und Ihnen den Text vor Druck selbstverständlich zur Freigabe schicken.

Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung,
herzlichen Dank schon jetzt für Ihre Mühen und viele Grüße,

Kathrin Halfwassen

Freie Journalistin „

Und jetzt?….

In meinem Bauch kribbelte es und ich musste mich erstmal sammeln. Nach und nach wurde mir bewusst, dass ich dieses Interview machen muss! Es war doch genau das was ich wollte, offen über das Tabu Häusliche Gewalt sprechen. Genau wie ich es auch getan habe, saßen genau in diesem Moment tausend Betroffene da und suchten heimlich im Netz nach Hilfe, nach Berichten von Betroffenen die es geschafft haben aus dieser Hölle auszubrechen. Und jetzt war meine Chance gekommen offen und öffentlich ganz klar zu zeigen, dass man als Betroffener aus der Opferrolle raus muss und die Täter als genau das angesehen werden was sie sind – Täter! Ich kann mit Worten gar nicht beschreiben wie sehr mich diese Sprüche aus dem eigenen Umfeld und auch von Fremden ankotzen.

  • Ich hab zwar gemerkt das etwas nicht stimmt, aber Du hast ja nichts gesagt.
  • Du hättest ja einfach zur Polizei gehen können.
  • Sonst hast Du auch immer eine große Klappe.
  • Also mir könnte das nie passieren.
  • Warum bist Du nicht einfach gegangen?
  • Du bist doch selber schuld wenn Du Dir das gefallen lässt.

SCHULD sind eine Frau oder ein Mann der von seinem Partner geschlagen, gedemütigt und vergewaltigt wird NIE! Schuld sind die Täter und alle die wegschauen. Schuld sind die, die es zulassen das Häusliche Gewalt immer noch ein Tabuthema ist das nur gelegentlich in die Öffentlichkeit gelangt wenn gerade mal ein Promi betroffen ist. Was soll das? Ist das Schicksal einer Mutter mit Kind egal? Oder das Schicksal eines Mannes der von seiner Frau gedemütigt wird? Was ist los mit dieser Welt!?

Mein Entschluss stand fest

Ich werde dieses Interview machen und so antwortete ich auf die Mail:

Sehr geehrte Frau Halfwassen,

vielen Dank für die nette Mail. Ich freue mich riesieg darüber, dass dieses Tabuthema Häusliche Gewalt immer mehr in die Öffentlichkeit gelangt.

Es würde mich sehr freuen ein Interview mit Ihnen zu führen und das auch sehr gerne persönlich. Vielleicht rufen Sie mich einfach mal an um weitere Fragen zu klären…denn Fragen hätte ich noch so 2 – 18 Stück.

Viele Grüße

Jenny Clemens

Hier der Link zum emotion Magazin und das Interview zum Herunterladen

Logo emotion Magazin

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